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Gabi Dobusch

Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft

Hamburgisches Gremienbesetzungsgesetz

Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg - 20. Wahlperiode - 65. Sitzung am 14. August 2013

Frau Pr­äsid­ent­in, mei­ne Da­men und Her­ren! Wenn ich die La­ge rich­tig einschätze, dann müssten wir uns ei­gent­lich par­tei­übergrei­f­end und qu­er durch al­le Frak­tio­nen in den fol­gen­den Punk­ten ei­ni­ger­ma­ßen ei­nig sein. Ers­tens: Wir wol­len tat­sächl­ich ei­ne gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be von Frau­en und Männ­ern an der Aus­ge­stal­tung un­se­rer Ge­sell­schaft.
Zwei­tens: Wir wol­len glei­che Chan­cen von Frau­en und Männ­ern auf Ein­fluss­nah­me, auf Mi­t­ent­schei­dung und auf Ge­stal­tungs­macht. Frau Su­ding, ich schaue Sie jetzt et­was zwei­felnd an.
Drit­tens: Wir wol­len selbst­verständl­ich auch, dass sich die­se gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be von Frau­en und Männ­ern in ei­nem aus­ge­wo­ge­nen Verhältn­is der Ge­sch­lech­ter bei der Wahr­neh­mung von Auf­ga­ben in Gre­mi­en und Lei­tungs­funk­tio­nen wi­der­spie­gelt.
(Bei­fall bei der SPD – Kat­ja Su­ding FDP: Denn man zu!) – Dann sind wir uns ja ei­nig.
Das sind un­se­re ein­ver­nehm­li­chen Zie­le. Mit der Ei­nig­keit dürfte es bei der Fra­ge zu En­de sein, wie und wann wir das al­les rea­li­sie­ren. Hier gibt es die ei­ne oder an­de­re Dif­fe­renz, die die De­bat­te si­cher­lich auf­zei­gen wird. Aus Sicht der SPD-Frak­ti­on je­den­falls sind wir die­sen Zie­len mit der Vor­la­ge des Ge­setz­ent­wurfs über die Be­set­zung von Gre­mi­en im Ein­fluss­be­reich der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg mit Frau­en und Männ­ern ei­nen ent­schei­den­den Schritt näherg­ek­omm­en. End­lich, füge ich hin­zu, denn mei­ne Frak­ti­on hat­te be­reits in der ver­gan­ge­nen Le­gis­la­tur­pe­rio­de ei­nen ent­sp­re­chen­den An­trag ein­ge­bracht, der da­mals lei­der mit den Stim­men von CDU und GAL ab­ge­lehnt wur­de. Es war un­se­res Er­ach­tens nicht mehr hin­nehm­bar, dass in ei­ner auf­ge­sch­los­se­nen, zu­kunfts­o­ri­en­tier­ten und in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Me­tro­po­le wie der un­se­ren Frau­en im­mer noch von ei­ni­gen kol­le­gia­len öffen­tli­ch-recht­li­chen Be­schluss- und Be­ra­tung­s­or­ga­nen vollständ­ig aus­ge­sch­los­sen und in di­ver­sen Gre­mi­en von er­heb­li­cher ge­sell­schaft­li­cher Be­deu­tung nicht ver­t­re­ten sind be­zie­hungs­wei­se wa­ren.
(Bei­fall bei der SPD) Mei­ne Da­men und Her­ren! Es gibt noch an­de­re Be­rei­che, in de­nen der Aus­schluss der Frau­en nicht mehr hin­nehm­bar ist. Da­zu ei­ni­ge Be­mer­kun­gen. Es gibt auch in un­se­rer Stadt Sek­to­ren hef­ti­ger Geg­ner, bis­wei­len auch Geg­ne­rin­nen jed­we­der Quo­ten­re­ge­lung, gleich wie mo­de­rat die­se aus­ge­stal­tet sein mag. Nicht al­le sind der­art ex­p­li­zit da­ge­gen wie Herr Acker­mann, der ge­ra­de wie­der in ei­ner ARD-Sen­dung, falls Sie das zu­fäll­ig ge­se­hen ha­ben, freund­lich lächelnd er­klärte, dass Frau­en, vor al­len Din­gen be­stimm­te Al­ters­grup­pen von ih­nen, nicht ge­braucht wer­den, je­den­falls nicht in den Auf­sichtsr­äten und Vorständ­en in un­se­rer Re­pu­b­lik. In die Rich­tung von Men­schen, die ähnl­ic­he An­sich­ten ver­t­re­ten, könnte ich jetzt mit so­zia­ler Ver­ant­wor­tung, mit ethi­schen Grundsätz­en, mit Ap­pel­len an Ge­rech­tig­keit und so wei­ter, vi­el­leicht auch mit dem Hin­weis auf die frucht­lo­sen Selbst­verpf­lich­tun­gen ar­gu­men­tie­ren, aber auf die­sem Ohr herrscht be­kannt­lich bei dem ei­nen oder der an­de­ren ei­ne zu­min­dest par­ti­el­le Taub­heit. Las­sen Sie mich da­her an­ders­her­um ar­gu­men­tie­ren. Al­le Stu­di­en, al­le Ex­per­ti­sen der ver­gan­ge­nen Jah­re, und zwar gleich aus wel­cher po­li­ti­schen Ecke, lau­fen auf ei­nes hin­aus: Wenn wir in­ter­na­tio­nal wett­be­werbsf­ähig blei­ben wol­len, zu­mal in Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung und des de­mo­k­ra­ti­schen Wan­dels – das The­ma Fach­kräft­em­ang­el hat­ten wir eben schon –, dann müssen ­alle un­se­re Un­ter­neh­men, na­türlich auch die der Stadt, Schluss ma­chen mit ste­reo­ty­pem Den­ken und ei­ner zen­tra­lis­ti­schen Kul­tur gemäß ­der Ma­ßg­a­be: An der Spit­ze steht ein hoch­qua­li­fi­zier­ter wei­ßer Mann mitt­le­ren Al­ters. Wir wis­sen al­le, dass das mit dem mitt­le­ren Al­ter bei Männ­ern ei­ne äußerst dehn­ba­re Ka­te­go­rie ist. (Ve­r­ein­zel­ter Bei­fall bei der SPD und bei Kers­ten Ar­tus DIE LIN­KE) Wenn wir in­ter­na­tio­nal wett­be­werbsf­ähig blei­ben wol­len, dann brau­chen un­se­re Un­ter­neh­men die Frau­en, und zwar nicht in Mi­ni­jobs, mit de­nen sie Führung­seta­gen.
(Vi­ze­pr­äsid­ent­in Dr. Eva Gümbel ­übernimmt den Vor­sitz.) Oh­ne ei­nen um­fas­sen­den Kul­tur­wan­del, und zwar Top-down, in den Un­ter­neh­men ist dies un­se­res Er­ach­tens nach nicht zu schaf­fen.
Wenn wir in­ter­na­tio­nal wett­be­werbsf­ähig blei­ben wol­len, dann muss Schluss sein mit dem Krei­sen in den im­mer glei­chen Krei­sen, mit den Old-Boy­Net­works, es muss Schluss sein mit die­sem Be­har­rungs­vermögen und dem Fest­klam­mern ei­ni­ger Her­ren an Macht und Geldtöpfen.

Al­les an­de­re ist näml­ich geschäftss­chädi­ge­nd. Ein Blick über den Tel­l­er­rand tut vi­el­leicht recht gut. In punc­to Frau­en in Führung­sposi­ti­on­en bil­den wir mitt­ler­wei­le in Eu­ro­pa fast das trau­ri­ge Schluss­licht. Es wur­de in deut­schen Me­di­en dar­über berich­tet, dass die BBC ge­ra­de in ei­ner hoch­ge­ach­te­ten Film­rei­he über das neue sym­pa­thi­sche Deut­sch­land be­rich­tet hat. Wir kom­men dort aus­nahms­wei­se ein­mal gut weg, wir wer­den ge­lobt, aber als Ne­ga­ti­vum wird ex­p­li­zit aus­geführt, d­ass es für Frauen hier kaum aus­zu­hal­ten sei. Warum? Ko­mi­scher­wei­se würde n­ämlich in die­sem Land da­von aus­ge­gan­gen, dass selbst bes­t­aus­ge­bil­de­te Frau­en bes­ser zu Hau­se blei­ben soll­ten. Wel­ches Po­ten­zial wir da brach­lie­gen las­sen, dar­auf hat Herr Se­na­tor Schee­le eben schon hin­ge­wie­sen, und auch ich fin­de, dass es wir­k­lich nicht zum Aus­hal­ten ist, wie das bis­her ge­hand­habt wur­de.
(Bei­fall bei der SPD und bei Dr. Ste­fa­nie von Berg GR­ÜNE) Mei­ne Da­men und Her­ren! Die bun­des­wei­te De­bat­te und Au­s­ein­an­der­set­zung um den Ham­bur­ger Vor­schlag zur ge­sch­lech­ter­ge­rech­ten Quo­tie­rung von Auf­sichtsr­äten ha­ben Sie hof­f­ent­lich al­le noch vor Au­gen be­zie­hungs­wei­se in den Oh­ren. In­so­fern dürfte I­hnen noch ge­gen­wärt­ig sein, auf welch brei­te Zu­stim­mung die­se Vor­schläge ge­sto­ßen sind. Ich er­in­ne­re da nur zum Bei­spiel an die Mehr­heit im Bun­des­rat. Dass sich im Bun­des­tag dann die überzeug­ten Quo­ten­be­fürwort­eri­nn­en der CDU (Die­trich Wer­sich CDU: Das sind wir!) – da schaue ich ein­mal in Ih­re Rich­tung – mit ei­ner va­gen Aus­sicht auf Einführung ei­ner Quo­te in fer­ner Zu­kunft ver­tr­östen lie­ßen, ist na­türlich scha­de. Das zeigt ein­mal wie­der, dass Sie bis zur mo­der­nen Gro­ßstadt­par­tei doch noch ei­nen wei­ten Weg zurückzule­gen ha­ben.
(Bei­fall bei der SPD – Die­trich Wer­sich CDU: Aber Sie sind schon ganz weit!) Wir sind in Ham­burg im­mer sehr stolz dar­auf ge­we­sen, Tor zur Welt zu sein. Und tat­sächl­ich steht Ham­burg der­zeit hoch in der Gunst jun­ger Frau­en. Vi­el­leicht ha­ben Sie es am Wo­che­n­en­de ge­le­sen: Vor al­len Din­gen die 18- bis 25-jähr­ig­en jun­gen Frau­en zieht es überprop­ort­ion­al in un­se­re Me­tro­po­le,
(Kat­ja Su­ding FDP: Und das ganz oh­ne
Quo­te!)
und zwar in der be­rech­tig­ten Hoff­nung, dass hier bes­ser un­ter ei­nen Hut zu brin­gen ist, was sonst schwer zu ve­r­ein­ba­ren ist:
(Kat­ja Su­ding FDP: Des­halb sind Sie hier!) Be­ruf, Kar­rie­re, Part­ner­schaft, Kin­der und Le­bens­per­spek­ti­ven jen­seits von Rol­lens­te­reo­ty­pen. Die­sen Frau­en sind wir verpf­lich­tet, und die­sen Verpf­lich­tun­gen wer­den wir auch nach­kom­men. (Bei­fall bei der SPD) Frau Su­ding, die­se jun­gen Frau­en er­war­ten – und be­kom­men hier auch – Rah­men­be­din­gun­gen, die ih­nen ge­nau das erm­ögli­ch­en: ein selbst­be­stimm­tes Le­ben und Teil­ha­be auf al­len Ebe­nen qu­er durch un­se­re Ge­sell­schaft. Das The­ma Kin­der­be­t­reu­ung wur­de heu­te auch schon an­ge­spro­chen, zum Bei­spiel das Be­t­reu­ungs­geld, das na­türlich in die­sen Kon­text gehört, aber das las­se ich jetzt ein­mal aus.
Der Se­nat hat be­sch­los­sen, den Ver­fas­sungs­auf­trag zur Durch­set­zung der tat­sächl­ic­hen Gleich­stel­lung von Frau­en und Männ­ern ernst zu neh­men, und er hat mit dem "Gleich­stel­lungs­po­li­ti­schen Rah­men­pro­gramm" die Rich­tung vor­ge­ge­ben. Selbst­be­stim­mung und ge­rech­te Teil­ha­be sind die Leit­ge­dan­ken. Die für das zwei­te Quar­tal 2013 avi­sier­te Ma­ßnah­me 121 – dar­über reden wir heu­te, es han­delt sich da­bei um den Ge­setz­ent­wurf zur Be­set­zung von Gre­mi­en – hat be­reits ih­re po­si­ti­ven Schat­ten vor­aus­ge­wor­fen, wie wir bei ei­ni­gen Aus­schuss­be­ra­tun­gen zum Rah­men­pro­gramm zu hören be­ka­men. Schon im Vor­feld wur­de näml­ich der An­teil der Frau­en in ei­ni­gen Gre­mi­en und an ei­ni­gen Schalt­s­tel­len der Macht in un­se­rer Stadt ent­schei­dend erhöht, auch wenn wir na­türlich noch weit von ei­ner pa­rit­ätis­chen Be­set­zung ent­fernt sind. Aber Schritt für Schr­itt nähern wir uns die­sem Ziel der tat­sächl­ic­hen Gleich­stel­lung, und wir blei­ben da als SPD-Frak­ti­on zu­min­dest hartn­äckig da­bei.
(Bei­fall bei der SPD) Wir können es uns un­se­res Er­ach­tens näml­ich nicht läng­er leis­ten, auf Frau­en in ent­schei­den­den Po­si­tio­nen zu ver­zich­ten. Wir wol­len glei­che Chan­cen für Frauen und Männ­er auf Ein­fluss­nah­me, Mi­t­ent­schei­dung und Ge­stal­tungs­macht. Das Ge­setz ist ein Bau­stein auf dem Weg da­hin. Wir überweis­en es da­her gern an die Ausschüsse u­nd freu­en uns auf die leb­haf­ten Dis­kus­sio­nen mit Ih­nen. – Vie­len Dank.
(Bei­fall bei der SPD)

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