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STADTGRÜN

Mein Baum - meine Stadt

Altona weiter vorn
Danke für Ihr Vertrauen!

Gabi Dobusch

Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft

Elbphilharmonie

Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg - 20. Wahlperiode - 50. Sitzung am 23. Januar 2013

Frau Pr­äsid­ent­in, mei­ne Da­men und Her­ren! Ich ha­be bis­her eher zu den Opti­mis­ten be­zie­hungs­wei­se Opti­mis­tin­nen in Sa­chen Elb­phil­har­mo­nie gehört.
(Die­trich Wer­sich CDU: In Sa­chen SPD!) Ich ha­be dar­auf ge­setzt, dass wir, wenn wir gründlich ge­nug aus den Feh­lern der Ver­gan­gen­heit ler­nen und HOCH­TIEF nichts durch­ge­hen las­sen, zwar nicht un­ge­scho­ren da­von­kom­men und gar nichts da­zu­zah­len müssen, dann aber doch sch­nell wie­der auf ei­nen gu­ten Weg kom­men, den Wan­del schaf­fen und uns end­lich wie­der mit den ei­gent­li­chen Fra­gen beschäft­ig­en können. (And­reas C. Wan­kum CDU: Was sind die
denn? – Ant­je Möller GR­ÜNE: Geld ist nicht so wich­tig!)
Die ei­gent­li­chen Fra­gen aus Sicht ei­ner Kul­tur­po­li­ti­ke­rin sind na­türlich: Was soll und wird die Elb­phil­har­mo­nie für die Stadt sein, was soll die Mu­sik­stadt sein, und wie be­kom­men wir die­ses dann großar­ti­ge Kon­zert­haus ge­füllt mit viel­fält­ig­em Le­ben?
(Die­trich Wer­sich CDU: Das stimmt, da­zu sind Sie noch gar nicht ge­kom­men!) Das wäre dann end­lich wie­der Kul­tur im ei­gent­li­chen Sin­ne und ganz nach mei­nem Ge­sch­mack. (Bei­fall bei der SPD) Mei­ne Da­men und Her­ren! Zwi­schen Wunsch und Wir­k­lich­keit gibt es ei­ne ge­wis­se Lücke, (Jens Kers­tan GR­ÜNE: 200 Mil­lio­nen Eu­ro, was ist das schon?) das ge­be ich ger­ne zu, aber auch das ist nichts Au­ßer­gewöhnli­ch­es im Le­ben von uns Po­li­ti­kern und Po­li­ti­ke­rin­nen; ei­ne ge­wis­se Durst­st­re­cke dürfte n­och vor uns lie­gen. En­de Fe­bruar aber wer­den wir wis­sen, ob auf Ba­sis des An­ge­bots von HOCH­TIEF ei­ne Neu­ord­nungs­ve­r­ein­ba­rung zu­stan­de kommt – na­türlich vor­be­halt­lich der Zu­stim­mung die­ses Hau­ses –, mit der die Ri­si­ken zu­künftig auf­sei­ten von HOCH­TIEF lie­gen und die Stadt nur noch – wo­bei "nur noch" na­türlich ein großes Ding ist – dar­auf schau­en muss, dass das ge­baut wird, was wir auch be­s­tellt ha­ben. Au­ßer­dem be­steht, wenn es so kommt, wie wir hof­fen, die re­el­le Chan­ce, dass end­lich mit dem ewi­gen Ge­r­an­gel zwi­schen den Ver­ant­wort­li­chen – zwi­schen Ge­ne­ral­pla­ner und Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer, HOCH­TIEF und Her­zog & de Meu­ron –, ei­nem Ge­burts­feh­ler des Pro­jekts, Schluss sein wird. Und was am Wich­tigs­ten ist: Dann wis­sen wir end­gültig, wie teu­er uns die­ser Pres­ti­ge­bau kom­men wird und wann wir ihn in Be­sitz neh­men können. Aber ich ge­be zu, dass ein bit­te­rer Nach­ge­sch­mack bleibt. Es wer­den ins­ge­s­amt 575 Mil­lio­nen Eu­ro net­to sein. Da­zu wer­den noch Steu­ern kom­men, Zin­sen sind be­reits ge­f­los­sen und wer­den auch wei­ter­hin in nicht un­be­trächtl­ic­her Höhe fli­eßen.
All das ist na­türlich ei­ne Zu­mu­tung. Es ist ei­ne Zu­mu­tung für jede Bürgerin und je­den Bürger, und es ist vor al­len Din­gen ei­ne Zu­mu­tung im Zu­sam­men­hang mit Haus­halts­kon­so­li­die­rung und Schul­den­b­rem­se; da gibt es überhaupt kein Drum­her­um. Das ist ei­ne bit­te­re Pil­le, dar­über kann dann auch die net­tes­te Ver­pa­ckung, sei es die Au­ßen­haut oder sei es die In­nen­haut im Saal, nicht hin­weg­täus­chen. Al­ler­dings se­he ich trotz­dem kei­ne Al­ter­na­ti­ven. Vor­schläge, ei­nen halb­fer­ti­gen Bau zum Mahn­mal für Größe­n­wahn zu er­kl­ären, zeu­gen eher von ei­nem mir nicht ganz frem­den Be­dürfnis, die­ses Pro­jekt end­lich in den Griff zu be­kom­men; ernst­haft in Be­tracht kommt so et­was na­türlich nicht.
(Bei­fall bei der SPD) Ei­ne sol­che Ban­krot­t­er­kl­ärung käme ei­ne Stadt wie Ham­burg letzt­end­lich viel teu­rer zu ste­hen als das, was wir jetzt ha­ben. Nun könnte man zwar nach der un­rühmlich­en Vor­ge­schich­te sa­gen: Ist der Ruf erst rui­niert, dann lebt es sich ganz un­ge­niert. So ma­chen wir es aber nicht, das wäre durch­aus un­han­sea­tisch und nicht an­ge­mes­sen. Bleibt als Al­ter­na­ti­ve nur, aus un­se­rem Her­zen kei­ne Mörde­rgr­ube zu ma­chen und HOCH­TIEF in die Wüste zu schi­cken, wahl­wei­se auf den Mond. Noch ha­ben wir kei­nen aus­ge­ar­bei­te­ten Ver­trag. Der Se­nat hat des­halb in wei­ser Vor­aus­schau ers­tens für den Fall der Fälle ein Sze­na­rio für den Aus­s­tieg vor­be­rei­tet, zwei­tens für dies­en Fall ei­ne Klau­sel ver­ab­re­det, die uns so­for­ti­ges Kündigu­ng­srecht und so­for­ti­gen Zu­gang zur Bau­s­tel­le si­chert, und drit­tens die Kos­ten grob kal­ku­liert, die auf uns zuk­ämen, wenn die Stadt selbst wei­ter­bau­en würde.

(And­reas C. Wan­kum CDU: Ha­ben Sie die
Kal­ku­la­ti­on ge­se­hen?)
Das sind al­les sehr vernünftige und un­ab­ding­ba­re Ver­ab­re­dun­gen, die wir brau­chen.
(Bei­fall bei der SPD) Trotz­dem, ich will das gar nicht ver­leug­nen, war für mich das Ernüchtern­dste: Die Kos­ten sind mehr oder we­ni­ger gleich, ob mit HOCH­TIEF oder oh­ne. (Die­trich Wer­sich CDU: Was ken­nen Sie
denn da? Das be­haup­ten Sie! Ha­ben Sie
das ge­se­hen? – Kat­ja Su­ding FDP: Was ha­ben Sie denn da ge­se­hen?)
Es bleibt al­so wie im an­ti­ken Hel­den­e­pos ei­ne Ent­schei­dung zwi­schen zwei gleich gro­ßen Übeln; Skyl­la und Cha­ryb­dis las­sen grüßen. Ent­wed­er wir set­zen nach all den sch­lech­ten Er­fah­run­gen mit HOCH­TIEF und den Ver­tr­ägen wie­der auf ei­ne sol­che Lösung – und da weiß ich nicht, ob da­bei den Ju­ris­ten oder ei­ner Nicht-Ju­ris­tin wie mir mehr heiß und kalt wird – oder wir ge­hen all die Ri­si­ken ein, die ei­ge­nes Bau­en, al­so Neu­ver­ga­be, Über­nah­me von Gewährl­eist­ung­en, sie­he Ber­lin, so mit sich brin­gen.
(Glo­cke) Vi­ze­pr­äsid­ent­in Bar­ba­ra Du­den (un­ter­b­re­chend): Frau Do­busch, ge­stat­ten Sie ei­ne Zwi­schen­fra­ge des Ab­ge­ord­ne­ten Wer­sich?
Ga­bi Do­busch SPD (fort­fah­rend): Nein, er ist ja gleich dran.
Ich bin mir si­cher, dass al­len, die die Aus­sa­gen der Re­Ge im Un­ter­su­chungs­aus­schuss ver­folgt ha­ben, auf je­den Fall heiß und kalt würde.
Mei­ne Da­men und Her­ren! Wir ha­ben in Sa­chen Elb­phil­har­mo­nie von An­fang an auf Tran­s­pa­renz ge­setzt – des­halb gab es den ers­ten PUA, des­halb gibt es den ak­tu­el­len PUA –, und das wird auch wei­ter­hin gel­ten.
(Olaf Ohl­sen CDU: Das ist ja völlig neu!) Der Se­nat hat fr­ühzeit­ig das Ge­spräch mit den Op­po­si­ti­onsführeri­nn­en und -führern ge­sucht und wird das auch wei­ter­hin tun. Er hat uns zügig ei­ne Mit­tei­lung mit den Fak­ten vor­ge­legt, auf de­ren Grund­la­ge wir hier de­bat­tie­ren.
(Ant­je Möller GR­ÜNE: Aber Sie ha­ben kein Wort da­zu ge­sagt!) Wir wer­den das, wie ver­spro­chen, na­türlich auch zur Ver­tie­fung der De­bat­te an den Kul­tu­r­aus­schuss überweis­en. Dass al­le Ver­trags­ab­schlüsse d­em Vor­be­halt der Zu­stim­mung der Bürgers­cha­ft un­ter­lie­gen, ver­steht sich von selbst. Im Kon­text die­ser Zu­stim­mungs­druck­sa­che soll und wird al­les vor­ge­legt wer­den; in­so­weit sind wir uns ei­nig. Bezüglich der Zeit­schie­ne lie­gen die Vor­stel­lun­gen im Mo­ment noch au­s­ein­an­der. Wir schla­gen vor, nicht währ­end, son­dern nach dem Ver­hand­lung­s­pro­zess al­les of­fen­zu­le­gen,
(An­ja Ha­j­duk GR­ÜNE: Ah ja!) denn ich kann mir nicht vor­s­tel­len, dass der Pro­zess da­von pro­fi­tiert, wenn wir 121-stim­mig – plus Se­nat – ver­han­deln.
Noch et­was zum The­ma Frist – da sp­re­che ich di­rekt die ehe­ma­li­gen Se­na­to­rin­nen und Se­na­to­ren an –: Sie soll­ten ei­gent­lich wis­sen, dass elf Werk­ta­ge für eine Ak­ten­vor­la­ge ei­ne un­rea­lis­ti­sche Zeit­vor­ga­be ist.
(Bei­fall bei der SPD) Aber En­de Fe­bruar ist al­les in Ord­nung. Al­les soll und muss En­de Fe­bruar auf den Tisch, da sind wir uns ei­nig, denn wir wis­sen, dass nur Tran­s­pa­renz wie­der Ak­zeptanz schafft. Wir als Bürgers­cha­ft sol­len und müssen ­alles wis­sen, um dann im Frühjahr sorg­fält­ig und oh­ne Hast ei­ne ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dung tref­fen zu können. Dafür werden wir sor­gen, mei­ne Da­men und Her­ren.
(Bei­fall bei der SPD) Bis sich die Elb­phil­har­mo­nie mit ih­ren vie­len, vie­len Ge­burts­feh­lern wie­der in ei­nen von Ham­burg und sei­nen Bürgeri­nn­en und Bürgern ge­lieb­ten Schwan ver­wan­delt, wird wohl noch ei­ni­ges Was­ser die El­be hin­un­ter­f­lie­ßen. Wir wol­len das Pro­jekt aber – ich hof­fe, Sie wol­len es auch noch –, und wir wol­len es so gut es geht und or­dent­lich zu En­de brin­gen. Ich fände es gut und in der Sa­che auch an­ge­mes­sen, wenn wir das mit mögli­chst brei­ter Un­terstützung aus die­sem Hau­se wei­ter be­we­gen, be­g­lei­ten und be­sch­lie­ßen könnten. Da­zu wer­den wir un­se­ren Bei­trag leis­ten. Ge­ra­de die­je­ni­gen, die in den letz­ten Jah­ren Ver­ant­wor­tung für dies­es Pro­jekt ge­tra­gen ha­ben, soll­ten jetzt nicht ab­seits ste­hen, son­dern wei­ter Ver­ant­wor­tung übernehm­en. – Vie­len Dank.
(Bei­fall bei der SPD)

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