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Gabi Dobusch

Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft

"Sanierungsfonds Hamburg 2020" - Ausgrabung spektakulärer archäologische Funde im BID Nikolai-Quartier (Bereich Neue Burg) schnell ermöglichen

Im Zuge der Stadtraumgestaltung im Straßenbereich Neue Burg, Nikolaikirche und Trostbrücke sind unmittelbar unter dem Asphalt sehr bedeutende archäologische Bebauungsspuren zu Tage gekommen. Die umfangreiche Umgestaltung wird durch das BID (Business Improvement District) Nikolai-Quartier geplant und umgesetzt. Die Befundlage ist überraschend und von höchster stadtgeschichtlicher Bedeutung. Erstmals können hier Parzellen aus der Gründungsphase der Hamburger Neustadt aus der Zeit um 1188 erfasst werden, als das Areal der brachliegenden Neuen Burg verfüllt und an angeworbene Kaufleute vergeben wurde. Diese wurden mit Privilegien aus fernen Regionen nach Hamburg gelockt, die später im berühmten Freibrief Barbarossas von 1189 festgehalten wurden. Damit können die Parzellenstrukturen der Keimzelle Hamburgs als Kaufmannstadt am historischen Ort archäologisch nachgewiesen und untersucht werden.
Die wissenschaftliche und bauliche Begleitung der Maßnahme wird in bewährter Weise durch Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Landesarchäologe der Stadt Hamburg und Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, Stadtmuseum Harburg/Helms-Museum (AMH) in enger Absprache mit den beteiligten Bauverantwortlichen erfolgen. Für die Grabungsdauer sind zwölf Monate vorgesehen, ohne Behinderung der weiteren Bauarbeiten. Die Einhaltung der Zwölf-Monatsfrist für die Ausgrabung wird durch das Museum vertraglich zugesichert. Im Anschluss an die Grabungsdauer schließt sich eine viermonatige Nachbereitungszeit im Museum an.
Ein schneller Beginn der Grabungen (ab Januar 2018) ist notwendig: Die archäologische Grabung ist eingebettet in das Baugeschehen im Bereich rund um die Nikolaikirche/Trostbrücke/Bohnenstraße/Neue Burg. Eine nicht sofort umgesetzte oder unzu-reichende Sicherung der Baugrube und der Straßenkanten würde vor dem Hintergrund der Abbrucharbeiten am Allianz-Gebäudekomplex sowie in der Wölbernstraße die Bauarbeiten behindern und das Bodendenkmal ggf. zerstören. Die geplanten Hochbaumaßnahmen im direkten Umfeld der Fundstelle (Abbruch und Neubau auf dem Grundstück des Kirchenkreises neben dem Mahnmal) können unvermindert fortgesetzt werden. Je später das AMH die Arbeiten aufnehmen kann, desto größer werden die logistischen Herausforderungen sein, da der zu erwartende Baustellenverkehr kontinuierlich zunehmen wird. Die Arbeiten zur Umgestaltung des Stadtraumes durch das BID Nikolai-Quartier geraten durch die archäologischen Grabungsmaßnahmen nicht unter Zeitdruck. Die BID-Maßnahmen müssen bis zum Sommer 2019 abgeschlossen sein, da die BID-Laufzeit dann endet.
Das Bodendenkmal "Neue Burg" ist bereits jetzt durch die großflächige Abtragung der Deckschichten akut gefährdet. Ein bloßes Zuschütten der jetzigen Befundstelle wäre daher keine Option. Alle Maßnahmen, die üblicherweise auf Baustellen dieser Art durchgeführt werden (Kampfmittelsondage, Verdichtung, Baustellenverkehr für Abbruch und Neubau, Verlegung der Sielleitungen etc.), würden das Denkmal zerstören. In enger Abstimmung mit dem BID haben sich die Beteiligten dieser Projektentwicklung eindeutig für die Ausgrabung ausgesprochen unter der Voraussetzung der Erreichbarkeit der Baustellen. Das Museum wird den ungestörten Baustellenverkehr garantieren.
Es liegt eine valide Kostenkalkulation im Volumen von 1.102.300 Euro vor. In dieser Kalkulation sind die Kosten für die Baugrubensicherung und spätere Verfüllung und Verdichtung des Areals bereits enthalten. Diese Kosten werden seitens des AMH als gedeckelte Maximalkosten vertraglich garantiert. Aufgrund der Regelungen des Hamburgischen Denkmalschutzgesetzes kommt eine (über das bisher Geleistete) weitere Inanspruchnahme des BID Nikolai-Quartier für die Ausgrabung nicht in Betracht.
Um unverzüglich, d.h. ab Januar 2018, beginnen zu können, ist eine zeitnahe Mittelfreigabe durch die Hamburgische Bürgerschaft unumgänglich. Haushaltstechnisch ist dieses am einfachsten und schnellsten mit einer Inanspruchnahme von Mitteln aus dem "Sanierungsfonds Hamburg 2020" des Einzelplans 9.2, Produktgruppe 283.02 "Zentrale Ansätze II" möglich. Insgesamt werden der Behörde für Kultur und Medien Mittel in Höhe von 1.102.300 Euro in den Aufgabenbereich 251, Produktgruppe 251.01, Kontenbereich "Kosten für Transferleistungen" für das Archäologische Museum Hamburg zur Verfügung gestellt. Um eine sachgerechte Ko-Finanzierung in einem zweiten Schritt zu ermöglichen, wird der Senat gleichzeitig ersucht, im Rahmen einer der nächsten Drucksachen, mit denen der Haushaltsplan 2017/2018 geändert wird, den Sanierungsfonds in Höhe von 550.000 Euro wieder aufzustocken.
Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht:
1. für die Ausgrabungen, die wissenschaftliche Aufarbeitung der archäologischen Funde im BID Nikolai-Quartier (Straßenbereich Neue Burg), die Baugrubensicherung und zur Einhaltung des Zeitplans Mittel in Höhe von insgesamt 1.102.300 Euro aus dem Epl. 9.2 Produktgruppe 283.02 Zentrale Ansätze II, Kontenbereich Globale Mehrkosten; "Sanierungsfonds Hamburg 2020" in den Epl. 3.3. Produktgruppe 251.01, Kontenbereich "Kosten für Transferleistungen" zu übertragen;
2. der Bürgerschaft eine Drucksache zur Änderung des Haushaltsplanes 2017/2018 zuzuleiten, mit der - zur nachträglichen Ko-Finanzierung der unter Ziff. 1 genannten Mittelfreigabe - der "Sanierungsfonds Hamburg 2020" einmalig um 550.000 Euro wieder aufgestockt wird; und
3. der Bürgerschaft bis Ende 2019 über den Stand der Umsetzung der Maßnahmen zu berichten.

Antrag

Hamburgische Bürgerschaft
22.12.2017
Drucksache: 21/

Von den Abgeordneten:
Peri Arndt, Gabi Dobusch, Andreas Dressel, Henriette von Enckevort, Birte Gutzki-Heitmann, Dirk Kienscherf, Martina Koeppen, Anne Krischok, Gerhard Lein, Uwe Lohmann, Dorothee Martin, Christel Oldenburg, Lars Pochnicht, Wolfgang Rose, Hansjörg Schmidt, Isabella Vértes-Schütter, Michael Weinreich

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